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"Jeder Mensch hat seine guten Seiten, man muss nur die schlechten umblättern."
E. Jünger

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Advent, Advent, die Küche brennt!

„Long time no see" brabbelt es aus mir heraus, korrektes Artikulieren macht mir offenbar Probleme. Kein Wunder, seit ein paar Stunden liege ich in der Intensiv-Station der Lainzer Neurologie, zwar auf Vielerlei gefasst, nicht aber auf ein Auftreten Zwundines, so sehr fernab ihres üblichen Umfeldes. Neben aller Grob- und Feinmotorik war mir offenbar in meiner Verblüffung auch die Muttersprache abhanden gekommen.

Long time no see!

„Schön, dass Du mich anbeamst" kommt es vom Monitor über meinem Bett zurück, Zwundine hatte dort Platz genommen. "Womit habe ich die Ehre verdient?" Offenbar wollte sie mir die Initiative zur Kontaktaufnahme zuschieben - vielleicht sogar zu Recht.

„Ich möchte Dich eigentlich nur an unsere Vereinbarungen erinnern, falls Du damit Probleme hast. Du wolltest auf unser Haus aufpassen, während wir Dir den Platz in der Bibliothek freihalten. Stattdessen lässt Du unsere Küche abbrennen und beinahe das ganze Haus, kaum dass wir uns auf den Weg zu unseren Kindern machen! Noch dazu ausgerechnet am Heiligen Abend!"

„Zugegeben" kommt es zurück, „ein dummes Versehen. Wer konnte auch ahnen, dass sich ein Fünklein von Eurem ausgeblasenen Adventkranz durch eine Ritze in der Tischplatte in die Lade darunter gräbt und dort 20 Stunden vor sich hinglost, bis der ganze Tisch in Flammen steht samt allem Rundherum. Zu allerletzt ich, schließlich ist mein Platz in der Bibliothek genau einen Stock über Eurem blöden Küchentisch! Andererseits auch ein Glück, denn hätte ich nicht von unten einen warmen Popo bekommen, hätte ich kaum Euren Paco in Bewegung gesetzt, damit er die Feuerwehr holt, bevor die ganze Bude abbrennt"

„Blablabla. Es wäre Deine Sache gewesen, von vorne herein so etwas zu verhindern, bevor es Deinem fetten Hintern zu warm wird. Oder warst Du vielleicht überhaupt nicht an Deinem Platz in dieser Nacht?"

Zwundine schlängelt sich kurz einmal rund um den Monitor, offensichtlich ist ihr die Sache doch ziemlich peinlich. „Tut mir ja leid, aber Du weißt doch, in diesen Rauhnächten um Weihnachten herum sind wir Zwischenwesen viel unterwegs - so ähnlich wie Ihr Langweiler ja auch. Also war auch ich kurz einmal nicht vor Ort - und schon ist Feuer am Dach!"

„Kann man sagen" grantel ich sie an. „Na zum Glück immerhin noch nicht am Dach!  Du weißt ja, was die Tante Jolesch gesagt hätte: Gott soll abhüten alles, was noch ein Glück ist. Recht hat sie!"

Nach einer kleinen Weile kommt es kleinlaut vom Monitor: „Kann ich die Sache irgendwie gut machen?"

„Kannst Du schon" zeige ich mich versöhnlich. Pass auf: Ich liege da und weiß nicht warum. Du weißt schon, der Totalausfall im Flugzeug etcetera. Aber warum? Die klugen Ärzte haben wieder einmal nichts gefunden, also hängen sie mich an ein Dutzend Schläuche, stecken mich in die Intensiv-Station und lassen mich da herumliegen. So ein Blackout muss sich ja eine ganze Weile aufgebaut haben - vielleicht kannst Du mir da auf die Sprünge helfen, obergscheidt, wie Du doch immer bist"

Zwundine gibt sich verständnisvoll: „Weißt Du was, ich mach Dir einen Vorschlag: Ich erzähle Dir jeden Tag oder besser jede Nacht einen Vorfall aus Deinem Leben. Nicht der Reihe nach, sondern so, wie es mir gerade einfällt. Du kannst damit machen, was Du willst, aber nachdem Du ja auch ein Obergscheidterl bist, wirst Du schon herausfinden, was in Wahrheit mit Dir los ist. Schließlich ist bekanntlich nichts, was Dir so zustößt, ein Zufall, sondern immer das Eine die Folge von etwas Anderem. Was hältst Du davon?"

Ich bin gleich einmal skeptisch: „Nach Muster Scheherazade, meinst Du, Tausendundeine Nacht mit Überlebensgarantie?"

„Brauch ich nicht. Außerdem wäre ich mir nicht so sicher, mein lieber Schahrayar, ob Du noch so lange durchhältst. Aber fangen wir doch gleich einmal an damit, einverstanden?

„Ok, klingt vernünftig" gelingt es mir gerade noch abzunicken, schon ist auch die Nachtschwester da mit ihrer Spritze und Zwundine über alle Berge. Bin gespannt, ob sie diesmal Wort hält!

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Kommentare

The challendier looks like a

The challendier looks like a mermaid that is holding a candle. It is really nice though. -
Dennis Wong

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