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Zwei Dinge bedeuten mir Leben: die Freiheit und das Objekt meiner Liebe.
Voltair

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Wo kriegten wir die Kinder her...

Gilt er auch allgemein als der eigentliche Erfinder der Comics, also der gezeichneten Bildgeschichten, so ragt er doch in mancher Hinsicht über Vieles, was nach ihm daraus wurde, weit hinaus. Wilhelm Busch, geboren 1832 in Wiedensahl bei Hannover, erlangte nicht nur mit „Max und Moritz“ Weltruhm, angeblich bis auf das bittere Ende inspiriert von realen Lausbubenstreichen  gemeinsam mit Nachbars Sohn Erich Bachmann. Vor allem war es der beißender Spott gegen das biedere Bürgertum seiner Zeit, was ihn unsterblich machte.

Wilhelm Buschs komisch-tragische Bildergeschichte vom Aufstieg und Fall der frommen Helene, die den Pfad der Tugend stets aufs Neue knapp verfehlt, ist seit Langem ein Klassiker - und die Weisheiten ihres Onkels Nolte sind es nicht minder: "Das Gute - dieser Satz steht fest - ist stets das Böse, was man lässt!"

Weniger ist oft mehr, und so zeigt sich Busch in der Geschichte von der frommen Helene als wahrer Meister der Reduktion. Ein einziges Bildchen genügt ihm, um in wenigen Strichen Geschichte und Zustand einer Ehe umfassend zu dokumentieren.

Während sich Ehemann und Familienoberhaupt Schmöck als stolzer Wäre-Gern-Vater freudestrahlend über die Wiege der frisch geschlüpften Zwillinge beugt, sehen wir dahinter Vetter Franz, den wahren Erzeuger, Herzens- und Hausfreund der frommen Titelheldin, in unverkennbarer Ähnlichkeit zu den Ankömmlingen mit segnenden Händen dem Himmel für diesen „zwiefachen Segen" danken.

Wilhelm Busch war eben nicht nur Meister des Zeichenstiftes, sondern in zumindest adäquater Fertigkeit auch des Wortes. Was ihm in einer Person in perfekter Weise gelang, dazu bedurfte es Jahrzehnte später etwa mit Uderzo und Goscinny bereits zweier Autoren, um mit Asterix und Obelix  das geneigte Publikum gleich auf mehreren Ebenen zu anzusprechen: Nämlich dem kindliche Gemüt in gleicher Weise gerecht zu werden wie dem intellektuellen Dünkel des Bildungsbürgers.

Sein Hinweis etwa auf die Witwe Klicko liefert dazu nur ein kleines Detail. Wir können also in voller Überzeugung Vetter Franzens Segensspruch an den Autor weitergeben: "Drum töne zwiefach Preis und Ehr, Herr Busch, wir gratulieren sehr!"

 

Image of Die fromme Helene
Wilhelm Busch,
Die fromme Helene.
144 Seiten, ISBN 3257201095
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