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"Jeder Mensch hat seine guten Seiten, man muss nur die schlechten umblättern."
E. Jünger

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Afrika auf schrägen Geleisen

Zugegeben, man muss tatsächlich einiges an stillen Reserven locker machen, um bei dieser Safari auf Schienen dabei sein zu können. Andererseits erhält man einen Gegenwert, den einem keine Finanz- oder Wirtschaftskrise dieser Welt wieder streitig machen kann. Und schließlich nähert sich ja jeder von uns unaufhaltsam wieder einem Jahrestag mit der Null hinter der aufsteigenden Zahl, sei es der eigene oder auch der des Partners / der Partnerin.

So oder so, ein guter Grund oder zumindest nachvollziehbarer Vorwand sollte sich finden lassen, sich auf diese gleichermaßen finanziell wie sensuell anspruchsvolle Zwischenstrecke auf der Lebensreise einzulassen. Einmal im Jahr, allenfalls auch zwei Mal, fährt mit der bescheidenen Bezeichnung "Pride of Africa" ein Eisenbahnzug der Rovos Rail von Kapstadt in Südafrika nach Daressallam in Tansania bzw. auch vice versa. 6000 Kilometer misst die Strecke und sie beansprucht 14 volle Tage, doch jeder Kilometer und jede Stunde sind zu erleben wert. Rohan Vos, in seinem ersten Leben Schrotthändler, hat sich mit Rovos Rail und diesem Zug seinen Lebenstraum verwirklicht.

Tatsächlich kennt der Stolz Afrikas keine Grenzen, weder geografischer, politischer noch eisenbahntechnischer Natur. Gewiss, er macht auch an touristisch routinierten Plätzen Halt, wie etwa der Fata-Morgana-Stadt Matjiesfontein, am mächtigen Diamantenloch von Kimberley, am Sambesi-Katarakt bei den Victoria-Fällen oder auch übernachts an einer wohlgepflegten Lodge, wo die "Big Five" des afrikanischen Wildlife sich artig zur angegebenen Stunde am vorgesehenen Platz einfinden.

Doch was so sehr anders ist als an jeder Stop-and-go-Safari per Flugzeug sind die oft endlos erscheinenden Strecken zwischen diesen Punkten, an denen Afrika sein wahres Gesicht zeigt. Seine unendlichen Weiten, seine überwältigende Naturschönheit, sein unbewältigtes menschliches Elend.

Hier bricht ein Kontrast auf, der zartem Empfinden zur Last werden kann: Es ist der Gegensatz des äußersten Luxus, den menschliche Phantasie und Rohan Vos als Arrangeur dieser Reise sich für seine Gäste auszudenken vermag, in oftmals nur Schrittgeschwindigkeit vorbeigeführt an einem Ausmaß von Not und Hoffnungslosigkeit, das ebenfalls jede menschliche Vorstellung sprengt. Afrika aus Innensicht eben.

So führt der Schienenweg querab durch das problemdurchwachsene Südafrika, durch das um seine Bodenschätze vielbeneidet reiche Botswana mit der höchsten Aids-Rate der Welt, durch das bis zum Nichts ausgepoverte Simbabwe, wo ein Bissen Brot mittlerweile mit Dollarmilliarden zu bezahlen ist, durch das Bilderbuch-Afrika von Sambia, wo sich der Zug auf Schienenresten der Kolonialzeit an aller Drähte beraubten Telegrafenmasten entlang quält, bis schließlich nach Tansania, dessen längst verarbeitetem realsozialistischem Interregnum der 80er-Jahre eine von einigen hunderttausend Chinesen aufwendig ausgebaute Bahnlinie zu danken ist.

Das letzte Glas Champagner kaum geleert, erwartet einen auf dem menschenleeren Bahnsteig von Daressallam eine ambitionierte Blaskapelle der örtlichen Polizei mit La Paloma und preußischen Märschen, denn schließlich war man dort ja einmal deutsche Kolonie gewesen.

So geht diese einzigartige Bahnreise zu Ende, die nach den Vorstellungen der seinerzeitigen Kolonialmächte bis nach Kairo hätte fortgedacht sein sollen. Nur allzu gerne wäre man nach dem soeben Erlebten diesen Visionen in Realität gefolgt!

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Train stations must remained

Train stations must remained so calm. That is why people wanted to ride on this to make everything fast. - Bath Planet

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