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"Jeder Mensch hat seine guten Seiten, man muss nur die schlechten umblättern."
E. Jünger

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Der Brückenschlag

Der Roman wurde im Jahre 1953 geschrieben und beschäftigt sich - wie viele Werke von Ivo Andric (1892-1975) - mit dem Nebeneinander von Orient und Okzident. Die Brücke über die Drina ist Dreh- und Angelpunkt von Geschichte und Geschichten der Region und Metapher für einen Brückenschlag zwischen den Kulturen von Christen und Moslems. Die Erzählung reicht von ihrer Entstehung im 16. Jahrhundert bis zur Zerstörung im ersten Weltkrieg, und um diese Achse ranken sich unterschiedlichste Handlungsstränge , die in spannender und fesselnder Form die geschichtlichen Ereignisse erzählen.

Erbaut wird die Brücke von Mechmed Pascha Sokoli, der als christliches Kind für den Blutzoll an die Türken aus einem ostbosnischen Dorf in der Nähe von Wischegrad im 16. Jahrhundert in das Herz des osmanischen Reiches entführt wird. Zum Islam konvertiert und erfolgreich als Heerführer und Staatsmann, will er sich mit der Brücke in seiner Heimat ein Denkmal setzen und gleichsam ein Symbol für ein friedliches Zusammenleben der beiden Kulturen schaffen. Doch schon der Bau, bei dem Christen zu brutaler Zwangsarbeit rekrutiert werden, verbreitert die Kluft zwischen den Kulturen.

In vielen Geschichten von Christen, Juden und Moslems erfahren wir vom sukzessiven Untergang des osmanischen Reiches und der Machtübernahme Österreich-Ungarns. Wir lesen vom Greis Jelisije und dem Waisen Mile, die von türkischen Wachen auf der Brücke nach dem Aufstand der Serben hingerichtet und deren Köpfe zur Abschreckung auf Pfähle gesteckt werden, von Fata , die den Freitod sucht, um sich selbst treu zu bleiben und nicht am anderen Ufer heimisch werden zu müssen, vom Aufstieg und Fall des „Hotels zur Brücke" der jüdischen Familie Zahler, von Hussein Effendi, der vor Einzug der Österreicher von den Moslems mit dem rechten Ohr an die Brücke genagelt wird und von Gregor Fedun, der sich vor Scham erschießt, weil er während des Wachdienst dem Zauber einer Frau erliegt und so einem gesuchten Mann die Flucht nach Serbien ermöglicht. Diese Geschichten und viele mehr ziehen den Leser in ihren Bann, schicken ihn auf eine Zeitreise durch 400 Jahre und schaffen Verständnis für Geschichte und Kulturen in dieser Region. So unterschiedlich sie auch sind, die Brücke ist ihr verbindendes Element.

Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges kommt es zur Sprengung der Brücke, mit der die einstige Hoffnung von Mehmed Pascha, nämlich zwei gegensätzliche Kulturen zu verbinden, endgültig zunichte gemacht wird. Eine Hoffnung, die gerade heute wieder Brisanz hat und dem Buch Aktualität gibt.

Ivo Andric erhielt 1961 den Literaturnobelpreis.

 

 

Image of Die Brücke über die Drina. SZ-Bibliothek Band 69
Ivo Andric,
Die Brücke über die Drina. SZ-Bibliothek Band 69.
400 Seiten, ISBN 3866155190
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